Volatilitäts-Saisonalität
Alle Saisonalitäts-Auswertungen drehen sich um Renditen. Diese hier dreht sich um die Schwankungsbreite — und die ist die verlässlichere Grösse: Renditen sind kaum vorhersagbar, Volatilität dagegen hängt stark an ihrer eigenen Vergangenheit. Hier steht für jeden Monat, wie unruhig er bei einem Titel typischerweise ist.
Die verbreitete These lautet, September und Oktober seien die volatilsten Monate. Sie wurde vor der Rechnung als einzige Hypothese festgelegt, an einem Ticker und einem Monatspaar, einseitig geprüft — und gegen 2000 zirkuläre Zufallsverschiebungen gehalten, damit das Klumpen der Volatilität in Blöcken die Nullverteilung nicht künstlich eng macht. Einzelne Oktober-Crashs prägen die Erinnerung; das durchschnittliche Niveau des Monats prägen sie nicht.
Y-Achse = Schwankungsbreite des Monats relativ zur eigenen Normalvolatilität dieses Titels. 1,00 ist ein durchschnittlicher Monat, 1,15 bedeutet 15 % unruhiger als sonst. So sind Titel vergleichbar, deren absolute Volatilität weit auseinanderliegt — Bitcoin schwankt vielfach stärker als eine Versorgeraktie, aber beide haben ein Jahresmuster.
Monatsprofile im Vergleich
Jede Zeile ein Titel, jede Spalte ein Monat, normiert auf die eigene Normalvolatilität. Klick auf eine Zeile zeigt sie im Chart oben. Ein Punkt heißt: zu wenige Jahre für diesen Monat.
Methodik — wie gerechnet wurde
Die Monatsvolatilität
Gerechnet wird die annualisierte Streuung der Tagesrenditen, die dem Monat selbst gehören. Gestreut wird um null und nicht um den Monatsmittelwert: gefragt ist die Grösse der Bewegungen, nicht die Abweichung von einem Trend — bei rund 21 Beobachtungen sähe ein Trendmonat sonst zu ruhig aus. Monate mit weniger als zwölf Handelstagen fallen heraus, Monatsprofile mit weniger als zehn Jahren ebenfalls.
Warum kein rollendes Fenster
Die naheliegende Rechnung wäre die übliche rollende 21-Tage-Volatilität. Sie ist hier falsch: sie misst die zurückliegenden 21 Handelstage, der Septemberwert deckte damit Mitte August bis Ende September ab, und ein Oktober-Crash landete zur Hälfte im November. Ein erster Durchlauf dieser Auswertung hatte genau diesen Fehler und liess den September als ruhigsten Monat erscheinen, weil der ruhige Spätsommer mitzählte. Eine Kennzahl, die für die tägliche Messung richtig ist, ist nicht automatisch für eine Kalenderfrage richtig.
Der Median, nicht der Mittelwert
Über die Jahre wird der Median der Monatswerte genommen. Sonst bestimmte ein einzelnes Krisenjahr den Monat — Oktober 2008 ist ein Oktober von vielen.
Der Zufallstest
Geprüft wird gegen 2000 zirkuläre Verschiebungen: die Monatswerte werden gegen die Kalendermonate verschoben. Das zerstört die Zuordnung zum Kalender, erhält aber die Eigenart der Volatilität, in Blöcken aufzutreten — unruhige Phasen dauern mehrere Monate. Wer die Monate stattdessen mischen würde, bekäme eine viel zu enge Nullverteilung, und dann sähe jeder Monatsunterschied signifikant aus. Der p-Wert ist einseitig, weil die Hypothese eine Richtung behauptet, und trägt eine Plus-eins-Korrektur: bei 2000 Verschiebungen ist der kleinste darstellbare Wert 1/2001, und „p = 0,000" wäre eine Behauptung über Genauigkeit, die das Verfahren nicht hergibt.
Grenzen
- Es sind Tagesschlusskurse. Was innerhalb eines Tages passiert, ist unsichtbar — und gerade Volatilität lebt zu einem guten Teil dort.
- Die Kursreihen sind dividendenbereinigt. An Ausschüttungstagen trägt das einen kleinen künstlichen Sprung in die Reihe, bei monatlich ausschüttenden Anleihe-ETFs spürbarer als bei Gold.
- Die Tabelle ist beschreibend. Wer in ihr die auffälligste Zelle sucht und sie dann testet, testet sich selbst — das Ergebnis wäre ein Zufallstreffer mit p-Wert.
- Ein Monatsprofil sagt nichts über die Richtung. Ein unruhiger Monat kann steigen oder fallen; gemessen ist nur, wie weit er sich bewegt.
Häufige Fragen
Warum Volatilität und nicht Rendite?
Weil Volatilität die verlässlichere Grösse ist. Renditen sind kaum vorhersagbar; Volatilität hängt stark an ihrer eigenen Vergangenheit — auf eine unruhige Woche folgt meist eine unruhige. Ein saisonales Volatilitätsmuster ist deshalb belastbarer als ein saisonales Renditemuster. Und für jeden, der Optionen bewertet oder Positionsgrössen festlegt, ist es die unmittelbar relevantere Zahl.
Sind September und Oktober die Crash-Monate?
Nach dieser Messung nicht. Beim S&P 500 liegt die Volatilität in September und Oktober zusammen beim 1,059-fachen des übrigen Jahres, und das ist statistisch nicht von Zufall zu unterscheiden (p = 0,127, gemessen am Index selbst ab 1957). Die Erinnerung hängt an einzelnen Ereignissen — Oktober 1929, Oktober 1987, Oktober 2008. Das durchschnittliche Niveau des Monats machen sie nicht aus.
Was heißt „relativ zur eigenen Normalvolatilität"?
Jeder Wert ist durch den Median aller Monate desselben Titels geteilt. 1,00 ist ein durchschnittlicher Monat, 1,20 ein um ein Fünftel unruhigerer. Ohne diese Normierung würde jeder Vergleich von Bitcoin dominiert, der in absoluten Prozentpunkten um ein Vielfaches schwankt — das Muster wäre dann nicht mehr zu sehen.
Ist das ein Handelssignal?
Nein. Die Seite zeigt eine Auswertung historischer Kursdaten, keine Prognose und keine Anlageberatung. Sie sagt auch nichts über die Richtung: ein unruhiger Monat kann steigen oder fallen. Vergangene Muster garantieren keine künftigen Ergebnisse.