Ein Monat fällt aus der Reihe
Wenn ein einzelner Kalendermonat über 38 Jahre im Schnitt −2,0 % abliefert und nur in 39 % der Jahre überhaupt positiv schließt, ist das kein Zufallsrauschen mehr. Genau das ist der September beim DAX — der schlechteste DAX-Monat der offiziellen Index-Historie seit 1988. Wir haben jeden Kalendermonat seit Auflage des DAX ausgewertet. Das Ergebnis ist überraschend deutlich.
Was „schlechtester Monat" hier bedeutet
Wir messen die durchschnittliche Monatsrendite und die Trefferquote (Win-Rate = Anteil der Jahre mit positivem Monat) für jeden der zwölf Kalendermonate. Datengrundlage ist der DAX-Performanceindex (^GDAXI) seit Handelsstart 1988 — also 38 vollständige Jahreszyklen.
Wichtig: Saisonalität beschreibt wiederkehrende Muster der Vergangenheit, keine Garantie für die Zukunft. Sie zeigt, wann der Markt historisch Rückenwind oder Gegenwind hatte — nicht, was morgen passiert.
Kernergebnisse auf einen Blick
- Schwächster Monat: September — Ø −2,0 %, nur 39 % der Jahre positiv
- Zweitschwächster: August — Ø −1,9 %
- Stärkster Monat: April — Ø +2,7 %, 72 % positiv
- Höchste Trefferquote: Dezember — 74 % der Jahre positiv
- August und September sind die einzigen zwei Monate mit negativem Durchschnitt
Der DAX-Jahresverlauf in Zahlen
Der folgende Chart zeigt die durchschnittliche Rendite je Kalendermonat über die letzten 38 Jahre — der aktuelle Monat ist hervorgehoben.
Die ganze Monatstabelle macht das Muster greifbar:
| Monat | Ø-Rendite | Trefferquote |
|---|---|---|
| Januar | +0,8 % | 59 % |
| Februar | +1,1 % | 56 % |
| März | +0,4 % | 51 % |
| April | +2,7 % | 72 % |
| Mai | +1,0 % | 64 % |
| Juni | −0,0 % | 49 % |
| Juli | +1,6 % | 66 % |
| August | −1,9 % | 47 % |
| September | −2,0 % | 39 % |
| Oktober | +2,0 % | 68 % |
| November | +2,6 % | 66 % |
| Dezember | +2,2 % | 74 % |
Zwei Phasen stechen heraus: eine Spätsommer-Schwäche (August + September) und eine Stärke zum Jahresende (Oktober bis Dezember). Dazwischen ist der April der einzelne Glanzpunkt im Frühjahr.
Wie verlässlich ist der September-Effekt?
Ein niedriger Durchschnitt allein reicht nicht — entscheidend ist die Konsistenz über die Jahre. Die Heatmap zeigt jede einzelne September-Rendite seit 1988. Auffällig: In 7 der letzten 10 Jahre schloss der September negativ.
Was Anleger daraus lesen — und was nicht
Saisonalität ist ein Wahrscheinlichkeits-Kontext, kein Signal. Drei Einordnungen:
- Für Langfrist-Anleger ist die Spätsommer-Delle vor allem psychologisch relevant: Sie erklärt, warum sich der Markt im August/September oft zäh anfühlt — ein Grund, ruhig zu bleiben statt nervös zu verkaufen.
- Für aktive Trader ist die Asymmetrie interessant: Monate mit Trefferquoten von 39 % bzw. 74 % haben ein sehr unterschiedliches Chance-Risiko-Profil.
- Wichtig: Ein einzelnes Jahr kann jederzeit komplett aus dem Muster fallen. Die −2 % sind ein Durchschnitt aus starken Plus- und tiefen Minus-Jahren.
Methodik & Transparenz
Wir rechnen mit normalisierten Renditen auf Basis der bereinigten DAX-Schlusskurse seit 1988 — nicht mit absoluten Punkteständen. Wie wir Daten prüfen und Saisonalität berechnen, steht offen auf unserer Methodik-Seite. Den vollständigen Risikohinweis findest du im rechtlichen Bereich.
Fazit
Der September ist der statistisch schwächste DAX-Monat seit 1988 — knapp vor dem August. Demgegenüber stehen ein starker April und ein verlässliches viertes Quartal. Diese Muster sind kein Fahrplan, aber ein wertvoller Kontext für das eigene Timing-Gefühl. Den interaktiven Monatszyklus für jeden Ticker kannst du selbst auf seasonalpha.ai erkunden.
Häufige Fragen
Welcher ist der schlechteste Monat für den DAX?
Der September: Seit 1988 verlor der DAX in diesem Monat im Schnitt rund 2 % und schloss nur in 39 % der Jahre positiv — der schwächste Wert aller zwölf Monate.
Welcher Monat ist historisch am besten?
Der April mit durchschnittlich rund +2,7 % und einer Trefferquote von 72 %. Auch November und Dezember gehören mit hoher Konsistenz zu den stärksten Monaten.
Gibt es den September-Effekt nur beim DAX?
Nein, eine Spätsommer-Schwäche zeigt sich an vielen Aktienmärkten. Die genaue Ausprägung unterscheidet sich aber je Index — deshalb lohnt der Blick auf die konkreten Daten statt auf Faustregeln.
Kann ich mich auf diese Saisonalität verlassen?
Nein. Saisonalität beschreibt Durchschnitte vieler Jahre. Einzelne Jahre können stark abweichen, und vergangene Muster garantieren keine künftigen Ergebnisse.