Was ist ein Drawdown — und warum sollte jeder Anleger ihn kennen?

Die meisten Anleger schauen auf Renditen. Profis schauen zuerst auf den Drawdown. Der Drawdown misst, wie weit ein Kurs von seinem bisherigen Hoch gefallen ist — in Prozent. Ein Drawdown von –20 % bedeutet: Du sitzt auf einem Buchverlust von einem Fünftel deines Investments.

Klingt abstrakt? Wird konkret, wenn du die Zahlen siehst. Wir haben 130 Jahre Dow Jones ausgewertet — von 1896 bis heute.

So wird der Drawdown berechnet

Die Formel ist einfach:

Drawdown = (aktueller Kurs – Höchstkurs seit Jahresbeginn) / Höchstkurs × 100

Ein Beispiel: Der Dow Jones erreicht am 12. Februar 2020 ein Hoch von 29.551 Punkten. Am 23. März 2020 steht er bei 18.591. Der Drawdown beträgt –37,1 %.

Wichtig: Der Drawdown startet immer bei null (neues Hoch) und kann nur fallen oder gleichbleiben. Er zeigt nicht die Gesamtperformance, sondern das Verlustrisiko ab dem letzten Hochpunkt.

Die 10 schlimmsten Drawdowns in 130 Jahren Dow Jones

Hier sind die härtesten Verlustphasen — und wie lange die Erholung dauerte:

JahrMax. DrawdownPeakTiefRecovery
1931–62,0 %FebruarDezember74 Monate (bis 1937)
1932–53,6 %MärzJuli12 Monate
1929–47,9 %SeptemberNovember346 Monate (bis 1954!)
1930–46,4 %AprilDezember321 Monate
1907–45,0 %JanuarNovember20 Monate
2008–42,2 %MaiNovember39 Monate (bis 2012)
1937–41,6 %MärzNovember114 Monate
2020–37,1 %FebruarMärz7 Monate (V-Recovery)
1987–36,1 %AugustOktober22 Monate
1974–35,2 %MärzOktober13 Monate

Was fällt auf?

Drei Muster stechen hervor:

Wann im Jahr passieren die größten Rücksetzer?

Der Drawdown hat eine saisonale Komponente. Über 130 Jahre Dow Jones zeigt sich ein klares Muster:

Das deckt sich mit der Börsenweisheit "Sell in May". Die zweite Jahreshälfte ist historisch risikoreicher — nicht nur in der Rendite, sondern auch im maximalen Rückschlag.

Auf SeasonAlpha kannst du den saisonalen Drawdown-Verlauf nach Dekaden-Endziffern aufschlüsseln. Damit siehst du: Verhalten sich "x6-Jahre" (2026, 2016, 2006, ...) anders als "x8-Jahre" (2028, 2018, 2008)?

Recovery: Die unterschätzte Kennzahl

Die meisten Drawdown-Analysen enden beim Tief. Dabei ist die Recovery-Zeit mindestens genauso wichtig. Sie beantwortet die Frage: Wie lange muss ich warten, bis mein Portfolio den alten Stand wieder erreicht?

Schnelle Recoveries

Langsame Recoveries

Die Faustregel

Aus 130 Jahren Dow Jones ergibt sich: Je tiefer der Drawdown, desto länger die Recovery — aber nicht proportional. Ein –40 % Crash braucht im Schnitt 30–40 Monate zur Erholung. Ein –50 % Crash kann 10 Jahre dauern — oder 12 Monate (wie 1932).

Der entscheidende Faktor ist nicht die Tiefe, sondern der makroökonomische Kontext.

Was bedeutet das für deine Analyse?

Drawdowns sind kein Grund zur Panik — sondern ein Werkzeug. Wenn du weißt, dass der historische Durchschnitts-Drawdown deines Portfolios bei –15 % liegt, kannst du einen –10 % Rücksetzer besser einordnen.

Auf SeasonAlpha findest du den Drawdown-Verlauf unter Dekadenzyklus und Jahreszyklus:

Weiterlesen: Rendite steigt, Drawdown fällt — wie passt das zusammen?

Wenn du den Drawdown zum ersten Mal neben dem Renditechart siehst, stutzt du vielleicht: Die Rendite steigt, aber der Drawdown fällt immer weiter? Das ist kein Fehler — sondern liegt an der unterschiedlichen Berechnung. In unserem Artikel Rendite vs. Drawdown erklärt zeigen wir mit zwei Charts, warum beides gleichzeitig stimmt.

Fazit

Der Drawdown zeigt dir die Schattenseite der Rendite. 130 Jahre Dow Jones beweisen: Tiefe Einbrüche gehören zur Börse — aber die Erholung kommt. Die Frage ist nur: Wie lange kannst du warten?

Auf seasonalpha.ai kannst du den saisonalen Drawdown für über 500 Aktien, ETFs und Krypto-Werte analysieren — kostenlos und mit echten historischen Daten.

Häufige Fragen

Was ist ein guter Maximum Drawdown?

Das hängt vom Asset ab. Der S&P 500 hat einen historischen Durchschnitts-Drawdown von etwa –8 % pro Jahr. Einzelaktien können deutlich stärker schwanken. Als Faustregel: Ein Portfolio-Drawdown unter –20 % gilt als akzeptabel für langfristige Anleger.

Wie berechnet man die Recovery-Zeit?

Die Recovery-Zeit zählt die Handelstage vom Tief bis der Kurs das vorherige Hoch wieder überschreitet. Wichtig: Das kann über das Jahresende hinausgehen. Auf SeasonAlpha wird die Recovery in Monaten und Tagen angezeigt.

Wann ist der beste Zeitpunkt zum Einstieg nach einem Crash?

Historisch zeigt sich: Die besten Einstiegszeitpunkte liegen nicht am absoluten Tief (das erkennt man erst im Nachhinein), sondern wenn der Drawdown sich zu stabilisieren beginnt. Die saisonale Analyse auf SeasonAlpha hilft, typische Recovery-Muster zu erkennen.

Ist der Drawdown bei Krypto anders als bei Aktien?

Ja, deutlich. Bitcoin hat historische Drawdowns von –50 % bis –80 % — weit mehr als traditionelle Indizes. Dafür sind die Recoveries oft kürzer. Auf SeasonAlpha werden Krypto-Assets mit 365 Handelstagen berechnet (statt 252 bei Aktien).