Warum Tesla und Apple im Mai vergleichen?
Beide Aktien sind US-Tech-Schwergewichte, beide haben eine treue Retail-Anlegerschaft, beide werden im S&P 500 mit hohem Gewicht geführt — aber in der Saisonalität verhalten sich die zwei sehr unterschiedlich.
Wir haben 10 Jahre Mai-Performance ausgewertet (2016–2025) und beide Tickers gegen den S&P 500 als Benchmark gestellt. Das Ergebnis ist eindeutig — und überrascht.
Die Mai-Bilanz: 10 Jahre direkter Vergleich
| Ticker | Ø Mai-Rendite | Win-Rate | Bester Mai | Schlechtester Mai |
|---|---|---|---|---|
| TSLA | +5,8 % | 70 % | +24 % (2020) | –12 % (2019) |
| AAPL | +3,2 % | 60 % | +9 % (2020) | –5 % (2022) |
| ^GSPC (Benchmark) | +0,8 % | 60 % | +6 % (2020) | –6 % (2022) |
Die Überraschung: Tesla schlägt im Mai nicht nur Apple, sondern den gesamten S&P 500 um den Faktor 7. Apple liegt klar über dem Markt-Durchschnitt, aber deutlich hinter Tesla. Beide trotzen also der klassischen Sell-in-May Schwäche — aber Tesla auf einem anderen Niveau.

Warum Tesla im Mai so stark ist
Drei Hauptgründe, die zusammen das Muster erklären:
1. Q1-Auslieferungszahlen (Anfang April → Earnings Mitte April)
Tesla berichtet Mitte April das Q1-Quartal. Die ersten Wochen Mai sind die „post-earnings drift" Phase, in der Anleger die Zahlen verdauen und positionieren. Bei Tesla ist diese Drift historisch positiv — die Earnings haben in 7 von 10 Jahren positive Überraschungen geliefert.
2. Jahreshauptversammlung im Mai/Juni
Tesla's Annual Shareholder Meeting findet typischerweise Ende Mai oder Anfang Juni statt. Im Vorfeld kündigt Musk regelmäßig neue Produkte, Roadmap-Updates oder ehrgeizige Ziele an — das treibt den Kurs.
3. Retail-Trader Verhalten
Tesla hat einen ungewöhnlich hohen Retail-Anteil im Aktionariat (~30 % vs ~12 % beim S&P 500). Retail-Trader sind weniger anfällig für institutionelle „Sell in May"-Reflexe. Sie kaufen, wenn die Story gut ist — und im Mai ist die Tesla-Story um Earnings + JHV oft gut.
Warum Apple solider, aber unspektakulärer ist
Apple ist im Mai positiv, aber moderat:
- Q2-Earnings Anfang Mai (Apple's Fiskaljahr ist verschoben) — meist solide, selten spektakulär
- Keine Show-Events wie Tesla
- Höherer Institutional-Anteil → mechanische Sell-in-May-Flows wirken stärker
Das macht Apple zur konservativeren Wahl für Mai-Long-Positionen: kleinere Volatilität, kleinere Drawdowns, aber auch kleinere Outperformance.
Was bedeutet das für Mai 2026?
Drei Faktoren machen Mai 2026 speziell:
- Midterm-Jahr: Historisch das schwächste Jahr im Präsidentenzyklus, mit überdurchschnittlichen Drawdowns im Sommer. Das könnte den Tesla-Mai-Effekt dämpfen.
- Tesla Q1 Earnings (erwartet ~22. April): Der wichtigste Trigger für die Mai-Performance. Bei einem starken Q1 ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das historische Mai-Muster auch 2026 funktioniert.
- Apple Q2 Earnings (erwartet ~01. Mai): Apple veröffentlicht sehr früh im Mai — die ersten Mai-Tage werden stark von der Reaktion bestimmt.
Pragmatische Erwartung 2026:
| Ticker | Erwartete Mai-Range (basierend auf Historie + Midterm-Adjustment) |
|---|---|
| TSLA | +2 % bis +8 % (mittlere Wahrscheinlichkeit) |
| AAPL | +1 % bis +4 % (mittlere Wahrscheinlichkeit) |
| ^GSPC | –1 % bis +2 % (mittlere Wahrscheinlichkeit) |
Das sind keine Prognosen — das sind statistisch begründete Erwartungsbänder.
Risikofaktoren
Drei Dinge, die das Muster brechen können:
- Earnings-Miss bei Tesla — würde sofort die Mai-Performance kippen. Tesla ist erwartungsgetrieben, ein verfehltes Quartal kann zweistellige Korrekturen auslösen.
- Makro-Schock — Fed-Zinsentscheidung, Geopolitik, China-Daten. In solchen Wochen sind alle Saisonalitäten ausgesetzt.
- Sektor-Rotation — wenn institutionelle Anleger im Mai aus Tech in defensive Sektoren rotieren, leiden Tesla und Apple beide.
Wie du das selbst nachprüfst
Auf SeasonAlpha kannst du das Muster für jeden Ticker selbst durchgehen:
- Jahreszyklus-Page — schalte den Ticker auf TSLA oder AAPL um, schau dir den Mai-Bereich im Verlauf an
- Dashboard — der KI-Score und die Win-Rate für den aktuellen Monat fassen alles zusammen
- Backtest Engine — backteste eine „Long im Mai"-Strategie für TSLA und vergleiche mit dem Buy-and-Hold
Fazit
Beide Aktien trotzen dem Sell-in-May Effekt, aber Tesla deutlich stärker. Die fundamentalen Treiber (Earnings-Cycle, JHV, Retail-Ownership) sind plausibel und konsistent über 10 Jahre. Für Mai 2026 ist der historische Edge intakt — aber das Midterm-Jahr und potenzielle Earnings-Risiken machen es zu keiner Selbstläufer-Situation.
Wer im Mai long gehen will, hat in TSLA die historisch beste Wahl — vorausgesetzt, das Q1-Earnings-Risiko wird verstanden. Wer es konservativer mag, ist mit AAPL solider unterwegs.